Mehr Selbsterkenntnis über die eigene Gefühlswelt zu gewinnen ist wichtig, um die kommunikativen Fähigkeiten zu verbessern. Je besser Sie sich kennen, desto einfacher können Sie sich selbst annehmen und mit der Zeit automatische Verhaltensmuster, die Ihnen nicht gut tun, unterbrechen.

Ein Gefühl besteht aus:
1.
Der erlebten Situation / Wahrnehmung
2. Ihren bewertenden Gedanken über die Situation und
3. Ihrem davon abgeleiteten Gefühl und Handeln/Kommunizieren

Übung: Sie stehen an der Kasse am Ende einer langen Schlange. Es geht nur langsam vorwärts. Jetzt ist eine junge Frau an der Reihe. Sie packt ihre Waren vom Einkaufswagen auf das Band, während ihre beiden Kleinkinder laut quengeln, sich auf den Boden werfen und noch Süßigkeiten haben wollen. Als sie bezahlen will, stellt sie fest, dass sie die Bankkarte vergessen hat und nicht genug Bargeld mitführt.

  1. Was denken Sie? (Beispiel: „Typisch, hier wäre ja mal konsequente Erziehung angebracht!“)
  2. Was fühlen Sie? (Beispielsweise: Ungeduld, Mitgefühl)
  3. Wie reagieren Sie? (Beispiele: Sie schimpfen halblaut über die Verzögerung. / Sie bieten der Frau an, finanziell auszuhelfen. / Sie versuchen, die Kinder zu beruhigen, damit die Frau Handlungsspielraum bekommt)
  4. Wie hätten Sie evtl. anders/konstruktiv reagieren können?

Der innere Beobachter

Übung: Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen  „inneren Beobachter“, der Ihnen hilft, sich selbst im Alltag regelmäßig Ihre Situation, Ihre Gedanken, Gefühle und Ihr Verhalten bewusst zu machen. Geben Sie ihm einen Namen und sehen Sie ihn als einen guten Freund an, der immer ein offenes Ohr für Sie hat.

Ihr „innerer Beobachter“ möchte wissen:

  • In welcher Situation befinde ich mich gerade? Was geschieht hier? (Ich stehe am Ende der langen Schlange vor der Kasse)
  • Was tue ich hier? (Ich erledige den Einkauf für das Wochenende)
  • Was denke ich? Was beschäftigt mich? (Meine Mittagspause ist gleich vorbei. Warum geht das da vorne nicht weiter?)
  • Was fühle ich? (Ungeduld)
  • Welche Gedanken werden durch diese Gefühle ausgelöst? (Warum muss das immer mir passieren? Ich komme zu spät zurück zur Arbeit!)
  • Ist diese Beobachtung ein Einzelfall oder Teil eines immer wiederkehrenden Musters?
  • Welchen Anteil haben Sie an der Situation? Was hätten Sie anders machen können?

Die längste Warteschlange
Eine Möglichkeit für mich, im hektischen Alltag eine Ruheinsel zu schaffen, in der ich mich besinnen kann, ist im Supermarkt an der Kasse die längste Warteschlange zu wählen – ja, richtig gelesen: die längste!
Damit stärke ich mein Gefühl der Selbstkontrolle, nehme mir bewusst die Zeit, entweder die Gedanken schweifen zu lassen, Menschen zu beobachten oder auch zu überlegen, was am Abend noch zu tun wäre.
Seitdem ich das so handhabe, komme ich im Supermarkt nie in Zeitdruck oder bekomme Ungeduldsanfälle, wie ich sie von früher kannte.
Jacqueline

Umgang mit Gefühlen
Akzeptieren Sie alle Gefühle als Teil Ihrer Person.
Durch den inneren Beobachter werden Sie fortwährend vertrauter mit Ihren Gefühlen.
Entscheiden Sie immer bewusster, ob Sie dem jeweiligen Gefühl/der Emotion nachgeben möchten.
Trainieren Sie Ihre emotionale Kompetenz.


Darunter versteht man die

  • Fähigkeit zur Wahrnehmung eigener und fremder Emotionen
  • Fähigkeit zum Verständnis von eigenen und fremden Emotionen
  • Fähigkeit zum situationsangemessenen Ausdruck von Emotionen
  • Fähigkeit, auch unangenehme Emotionen aushalten zu können
  • Fähigkeit zur vielfältigen Regulation eigener und fremder Emotionen

Eigene Emotionen regulieren

Beispiel: Sie haben an Ihrem Arbeitsplatz mit Kunden zu tun. Es kommt immer mal  wieder vor, dass ein Kunde ungeduldig ist oder seine Unzufriedenheit ungehalten äußert. Sie möchten sich nicht persönlich angegriffen fühlen oder gar kränken lassen. Wie gehen Sie vor?

  • Bewerten Sie die Situation nicht, sondern sehen Sie sie als Herausforderung Ihrer emotionalen Kompetenz an.
  • Versuchen Sie, die Perspektive des Kunden einzunehmen. Welches Bedürfnis steckt hinter seinen Äußerungen?
  • Teilen Sie dem Kunden mit, dass Sie ihn ernst nehmen, indem Sie aktiv zuhören.
  • Versuchen Sie, mit ihm gemeinsam eine konstruktive Lösung zu finden.
  • Zeigen Sie Ihre Grenzen auf, wenn der Kunde Sie persönlich abwertet. Teilen sie ihm mit, dass Sie beiderseitigen Respekt erwarten.
  • Sollte sich die Situation „hochschaukeln“, schieben Sie Beruhigungspause ein, z.B. indem Sie anbieten, zeitnah zurückzurufen, weil Sie sich in der Angelegenheit erst noch mit einem Kollegen/Vorgesetzten o.ä. besprechen möchten.

Denken Sie an sich selbst: Wie können Sie Ihre Gelassenheit und Ihre positiven Emotionen wieder herstellen?

Aktivieren Sie Ihre Ressourcen!

Übung: Erinnern Sie sich an eine Begebenheit oder  Situation, in der Sie sich richtig zufrieden, entspannt und gut gefühlt haben. Das kann z.B. eine Urlaubserinnerung sein (auf der Liege am Strand, warme Brise, blaues Meer…). Tauchen Sie tief ein in die Situation und empfinden Sie sie noch einmal. Verankern Sie nun diese positiven Gefühle in Ihrem Unterbewusstsein, indem Sie sie mit einer kleinen Geste (z.B. eine bestimmte Fingerhaltung), einem bestimmten Wort oder einem Symbol / Bild  kombinieren.

Trainieren sie nun mindestens 10 Tage hintereinander täglich diese Verankerung, d.h. rufen sie die Erinnerung wach und führen sie gleichzeitig den Anker aus. Danach können Sie mit der Ausführung des Ankers jederzeit diese positiven Gefühle erzeugen. Das erleichtert Ihnen, in oder nach unangenehmen Situationen Ihre Gefühlslage wieder zu verbessern. Sie sind Ihren Gefühlen nicht ausgeliefert.

Es ist unsere Entscheidung, wie wir über das denken, was uns passiert – welche Gefühle wir zulassen und wie wir reagieren.
Wir übernehmen die Verantwortung für unser Wohlergehen und das der Mitmenschen.